II. krippenbiennale 08

 

 

diesmal liegt der schwerpunkt auf dem wesentlichen, reduzierten, auf den „kern“ der geburt jesu hin bezogen – betrachtet nicht als ereignis der fernen vergangenheit, sondern als geschehen, das sich in jeder epoche und in jedem land, in jedem gläubigen wiederholt.

installationen mit licht und farbe zeigen eindrucksvoll das kommen christi in die welt. darstellungen in figuraler form, die in ihrer aktualität aus dem schaffen der alten kunst treten und eine außergewöhnliche sicht vermitteln. bewegend die annäherung von künstlern an das biblische thema des erlösungsaktes in bethlehem vor 2000 jahren – versinnbildlicht im zeitlosen beugen und knien vor dem unendlichen.
die präsentierten werke bringen den besucher eine neue, nachhaltige anschauung des weihnachtswunders abseits von üblichen klischees. die heurige jury bestehend aus landwirtschaftsmuseumsdirektor dr. heimo schinnerl, kleine zeitung redakteur mag. jochen bendele und krippenfreunde–landesobmann lambert windhagauer bewerteten die eingereichten werke und kamen zum ergebnis wie jochen bendele am 24.dezember in der „kleinen“ unter dem titel „krippen für das 21. jahrhundert“ schreibt: „das krippengeschehen gemäß der bibel im 21. jahrhundert, somit einem design auf der höhe der zeit darstellen“ – das verlangte die ausschreibung von den künstlern. was denen einfiel, schien herkömmlichen vorstellungen von krippen um jahrhunderte voraus und reizt einmal mehr die bürgerliche angst, von moderner kunst auf den arm genommen zu werden.
 
platz 3 für eva wassertheurer – streichholzschachteln auf streichholbeinchen im design kleiner tv - geräte, auf deren bildschirmen mysteriöse texte stehen wie: „maria steigt in den stiefel, bedient den automaten und fährt nach hause,“ oder „grapschen nach den gaben und schütteln sich die hände.“ klein, aber doch fernseher, wie sie den platz von krippen und allem wichtigen in unseren stuben längst für sich beanspruchen. dass ihre bildschirme zum lesen führen, überrascht.
 
platz 2:„ein senkrecht stehender wassertrog mit einem stein darinnen ist die krippe von karl steinwender. kein gewöhnlicher, sondern ein eckstein, als der jesus in mehreren sprachbildern bezeichnet wird.
 
der erste preis wurde ferdinand kreuzer zuerkannt. maria und josef als unterschiedlich groß bearbeitete holzstämme, ein jesus aus plastik, ein großer goldener heiligenschein auf einer holzplatte.
 
irritierend die fotoserie von oberhammer: der kniende, das haupt senkende künstler selbst, der seine multiple verehrung unmerklich an den betrachter zu richten scheint. das ist schamlos und großartig.

„im weihnachtsmenü in 18 gängen“ bietet eva wassertheurer speisekarten mit aufregend erfassten bibelepisoden, die hochschwangere eva, josef, der bei der geburt „die krise kriegt“ oder die vergebliche herbergssuche, weil die menschen glauben, „maria und josef stinken, sind geldgierige gewalttätige asylanten.“ ein paar kilometer entfernt (von der galerie) liegt die sonderanstalt saualpe ...

 

 

1. preis: ferdinand kreuzer                               2. preis: karl steinwender

 

                             3. preis: eva wassertheurer